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WIEVIEL ERDE BRAUCHT DER MENSCH

   In der inszenatorischen Zusammenführung seines Gemäldes "Wieviel Erde braucht der Mensch" (2009) und des Drahtobjekts “DER 24 Carat IMPERATIV - WENN DIE LIEBE GEHT" (2015) schafft Gerhard Neumaier nicht nur einen formalen Dialog zwischen Bild und Objekt, sondern auch eine inhaltliche Analogie zwischen der Figur des Gutsbesitzers Pachom aus einer Erzählung von Lew Nikolajewitsch Tolstoi und dem vergoldeten Nato-Draht. Die Analogie regt ebenso bizarr-sinnlich wie romantisch-sinnreich zum Nachdenken darüber an, wie wir mit dem Eigentum an Grund und Boden umzugehen pflegen. Während die Gier nach Land den Bauern aus Tolstois Erzählung am Ende ins Grab bringt, so dass für ihn nur die Größe der Grablege als "Besitztum" übrigbleibt, die dem Format des Bildes entspricht,

 steht andererseits der Nato-Draht in seiner Vergoldung für das Verhalten einer eingrenzenden Besitzstandswahrung, die uns zwar einen "goldenen Käfig" beschert, zugleich aber in letzter Konsequenz eine grabverwandte Einschließung beinhaltet. "Durch die Hingabe", so Gerhard Neumaier, "an das angenehme Erleben der Sinne, inszeniere ich die Erzählung von Tolstoi wie eine Metapher, die so die semantische Lücke zwischen dem Text von 1885 und heute füllt, die ansonsten nur durch aufwendige Umschreibung zu schließen wäre." Die dialogische Installation in ihrer Direktheit evoziert auf diese Weise beim Betrachter eine Reflexion über Freiheitsansprüche und Sicherheitsdenken, Selbstbestimmung und Ausgrenzung.

 

Peter Hank